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Landwirtschaft, Wald und Tourismus zusammen denken

22.05.2026

Aufgewachsen auf einem Obst- und Weinhof in Bozen-Gries, hat Luis Walcher früh gelernt, was Arbeit in der Landwirtschaft bedeutet. Noch heute verbringt er jede freie Minute auf dem eigenen Hof.

Schon als Kind faszinierte Luis Walcher die Feuerwehr. Seit 1991 ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Gries. (Foto: Luis Walcher)
Schon als Kind faszinierte Luis Walcher die Feuerwehr. Seit 1991 ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Gries. (Foto: Luis Walcher)

Landesrat Walcher, Sie sind auf einem Obst- und Weinhof in Bozen-Gries aufgewachsen: Welche Werte wurden Ihnen in Ihrer Kindheit und Jugend vermittelt? 

Auf einem Hof wächst man automatisch in gewisse Aufgaben hinein. Man lernt früh, anzupacken, aber auch mit Rückschlägen umzugehen. In der Landwirtschaft reichen manchmal fünf Minuten Hagel, und eine Arbeit von Monaten ist beschädigt. Für mich waren deshalb Fleiß, Verlässlichkeit und ein sparsamer Umgang mit dem, was man hat, immer wichtige Werte. Und das ist bis heute so geblieben. Und obwohl inzwischen viele andere Aufgaben dazugekommen sind, verbringe ich noch immer jede freie Minute auf meinem Hof. Dort bin ich zuhause, dort ist mein Lebensmittelpunkt.

Wie hat Sie Ihre Tätigkeit in der Privatwirtschaft geprägt? 

In dieser Zeit habe ich vieles gelernt. Ich war viel unterwegs und habe gelernt, mich selbstverständlich in beiden Landessprachen zu bewegen. Außerdem habe ich gelernt, auch komplizierte Verfahren zu Ende zu bringen und wirtschaftlich zu denken. Meine Erfahrungen im Einkauf und im Handel kommen mir heute in der Politik durchaus zugute, weil man lernt, Entscheidungen nicht nur theoretisch zu sehen, sondern auch praktisch umzusetzen.

Was hat sich seither geändert? 

Im Grunde bin ich derselbe geblieben. Meine Werte haben sich nicht verändert. Bodenständig zu bleiben, respektvoll mit Menschen umzugehen, bitte und danke zu sagen – das sind einfache Dinge, aber sie sind wichtig. Was im Laufe der Jahre dazugekommen ist, sind neue Erfahrungen und Aufgaben. Neben der Politik und der Arbeit in der Privatwirtschaft war das Vereinswesen immer ein wichtiger Teil meines Lebens, besonders die Freiwillige Feuerwehr. Das ist bis heute eine große Leidenschaft von mir. Dort sieht man, wie wichtig Zusammenhalt ist.

Welche Werte halten Sie für besonders wichtig, um sie an die nächste Generation, insbesondere an Kinder, weiterzugeben? 

Ich glaube, man sollte jungen Menschen vermitteln, dass vieles, was heute selbstverständlich wirkt, nicht einfach da ist. Eine gepflegte Landschaft, regionale Lebensmittel oder ein funktionierender Lebensraum entstehen nicht von allein. Dahinter stehen Menschen, die täglich arbeiten und Verantwortung übernehmen.

Wie kann die Wertschätzung für Natur, Landwirtschaft und regionale Produkte bei jungen Menschen gestärkt werden? 

Ich bin überzeugt, dass wir stärker erklären müssen, was Landwirtschaft, Forstwirtschaft und regionale Kreisläufe für Südtirol eigentlich bedeuten. Viele Menschen wissen das, aber eben nicht alle. Wir müssen verständlich machen, dass unsere Landschaft nicht zufällig so aussieht, wie sie aussieht, sondern dass sie von Bauernhand gepflegt wird.

Sie haben eine neue Kampagne auf den Weg gebracht, um damit auf die Bedeutung des Waldes hinzuweisen: Braucht es dafür eine Kampagne? 

Ja, ich glaube schon. Für viele Menschen ist der Wald einfach da. Man geht spazieren, nutzt ihn zur Erholung, aber was dahintersteckt, sieht man oft nicht. Der Wald erfüllt viele Aufgaben gleichzeitig: Er schützt vor Naturgefahren, liefert Holz und ist gleichzeitig Lebens- und Erholungsraum. Genau diese Funktionen müssen wieder stärker ins Bewusstsein gerückt werden. Wichtig ist mir auch, den Respekt vor dem Waldeigentum und der Arbeit im Wald zu stärken. Gerade nach den Schäden durch Vaia oder den Borkenkäfer hat man gesehen, wie viel Arbeit notwendig ist, damit ein Wald stabil bleibt. Früher war der Wald oft die Sparkasse eines Hofes, heute ist das nicht mehr der Fall. Deshalb müssen wir heimisches Holz wieder stärker einsetzen und besser nutzen.

Wie können die Bereiche Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus in Zukunft noch besser zusammenarbeiten, um nachhaltige Entwicklung zu sichern? 

Die Zukunft dieser Bereiche liegt darin, weniger nebeneinander zu arbeiten und mehr miteinander. Südtirol lebt genau von dieser Kombination aus Landschaft, Bewirtschaftung und Tourismus. Entscheidend ist, dass man nicht in Konkurrenz denkt, sondern in gemeinsamen Zielen. Die Landwirtschaft muss mehr Produkte an touristische Betriebe verkaufen können, und der Tourismus sollte bewusst auf regionale Produkte setzen. Damit stärkt man die Kreisläufe im Land und sichert gleichzeitig die Lebensgrundlage vieler bäuerlicher Familien. Dasselbe gilt für unser heimisches Holz. Wenn wir die eigenen Ressourcen stärker nutzen, profitieren am Ende alle Bereiche davon.

Wie sehen Sie die Rolle der Kinder und Jugendlichen? 

Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft. Ich erlebe viele junge Menschen als interessiert und auch sehr aufmerksam. Es ist wichtig, ihnen Wissen, Werte und auch Begeisterung mitzugeben, damit sie sie leben und umsetzen können.

Was würden Sie – wären Sie ein Kind – einem Landesrat für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus ans Herz legen? 

Ich würde wahrscheinlich sagen: Schau darauf, dass unsere Höfe auch in Zukunft weitergeführt werden, dass unsere Wälder gesund bleiben, und dass die Menschen in Südtirol auch weiterhin mit Leidenschaft und Begeisterung an der Arbeit in der Landwirtschaft festhalten. Und der Tourismus sollte dabei nicht getrennt gesehen werden: Er lebt von der gepflegten Kulturlandschaft – und die Landwirtschaft profitiert umgekehrt auch vom Tourismus. Entscheidend ist, dass beides zusammen gedacht wird und sich gegenseitig stärkt.

mac

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